Die Historische Ortsanalyse- ihre Aufgaben und Möglichkeiten


Die historische Ortsanalyse veranschaulicht die Geschichte einer Siedlung und macht auf ihre schützenswerten Bauten und Räume aufmerksam. Ziel von Historischen Ortsanalysen ist es, die denkmalbedeutsamen Qualitäten von Bausubstanz und Ortsstruktur zu analysieren und kartographisch darzustellen sowie anwenderfreundlich aufzuarbeiten. Der aus der Historischen Ortsanalyse abgeleitete denkmalpflegerische Werteplan verhilft dem Planer in denkmalrelevanten städtebaulichen Fragestellungen zu einer schnellen und wissenschaftlich fundierten Einschätzung des Bestandes. Sie ist damit z. B. ein wichtiger Bestandteil von Sanierungsplanungen. 

Die Historische Ortsanalyse beginnt mit der Erläuterung und Darstellung der topografischen Lage einer Siedlung, die bei der Siedlungsgründung oder -erweiterung ausschlaggebend war, wie auch der naturräumlichen Grundlagen, der kulturlandschaftlichen Einbettung oder der historischen Verkehrslage. Die folgende Siedlungsgeschichte unterscheidet sich bewusst von den ohnehin präziseren Formen von Orts- oder Stadtchroniken, Haus- oder Firmengeschichten. Hier geht es vielmehr um eine Aufarbeitung der Ortsbaugeschichte: im Fokus stehen die Fragen nach den historischen Faktoren aus den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kirche, Infrastruktur oder Verkehr, die die Siedlung in ihrer baulichen Entwicklung und Gestalt entscheidend bestimmten und sie bis heute prägten. Mit Hilfe historischer Kartenwerke, insbesondere der frühen Katasterpläne des 19. Jahrhunderts werden zentrale Fragen zum historischen Ortsgrundriss, der charakteristischen Form des Ortes, zum Straßennetz, zur Parzellenstruktur, der Nutzung von Grün- und Freiflächen gestellt. Die Überlagerung von historischen Kartenwerken mit den aktuellen denkmalpflegerischen Werteplänen stellen eine Verbindung zwischen dem historischen Teil der Ortsanalyse und der Darstellung des erhaltenen Bestandes dar. Im Kapitel Historische Ortsstruktur werden die überlieferten Bauten, Räume und Strukturen gewürdigt. Charakteristische Raumgefüge und typische Straßenstrukturen, Haustypen und Dachlandschaften werden beschrieben und bewertet.

Der umfangreichste und wichtigste Teil widmet sich anhand von Datenblättern den Objekten im Einzelnen. Mit einer kurzen Beschreibung, einer Datierung, einer knappen Bewertung und einer Würdigung des städtebaulich-historischen Kontextes des Objektes werden nicht nur geschützte Kulturdenkmäler erfasst, sondern auch weitere erhaltenswerte historische Gebäude. Gerade diese vermeintlich anonyme Architektur in historischen Siedlungskernen ist wichtig für die Einbindung der Kulturdenkmale in ein intaktes Umfeld und oftmals prägend für ein Straßen- und Platzbild. Die Datierung erfolgt Regel nach den vorhandenen historisch belegbaren Daten, oft auch nur durch Einordnung aufgrund baugeschichtlicher Kenntnisse und Vergleichsbeispiele. Eine solche Datierung kann im Einzelfall durch wissenschaftliche Methoden, beispielsweise der Dendrochronologie, überprüft und präziesiert werden. Dies ist aber nicht Gegenstand der Ortsanalyse.

Die Historische Ortsanalyse kann weder eine breite Schriftquellen-forschung betreiben, noch eine archäologische Untersuchung ersetzen. Vielmehr soll mit ihr den Zielgruppen der Planer, Architekten, Politiker, aber auch der breiten Öffentlichkeit ein gut handzuhabendes Werkzeug zur schnellen überblickhaften Erfassung der denkmalrelevanten Substanz eines Ortes oder Ortsteiles zur Verfügung gestellt werden.

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